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Manchmal beginnt ein neuer Weg genau dort, wo etwas endet.

  • 17. Juli
  • 5 Min. Lesezeit

Es gibt Momente im Leben, die sich nicht mit einem einzigen Tag erklären lassen. Momente, die lange in einem wachsen, leise, fast unbemerkt.

Von außen sah es vielleicht so aus, als hätten wir letzten Mai einfach die Tür unseres Blumenladens mit Café abgeschlossen. Einfach war es aber nicht.


Doch in Wahrheit begann dieser Abschied schon viele Monate zuvor. Es war keine spontane Entscheidung. Es war eine Entscheidung meines Herzens und der Vernunft. Eine Entscheidung die wir zu zweit entschieden haben. Eine, die unglaublich weh tat.

Denn wie verabschiedet man sich von einem Ort, den man nicht einfach aufgebaut, sondern gelebt hat?


Wildflower war nie nur ein Blumenladen. Es war fast wie ein Zuhause. Ein Ort voller Begegnungen, Geschichten und Emotionen. Ein Ort, an dem gelacht, geweint, gefeiert, getüftelt, zusammen kreativ war und manchmal auch einfach nur durchgeatmet wurde um die Seele baumeln zu lassen.


Unsere Schaufenster waren weit mehr als Dekoration, sie waren kleine Bühnen unserer Kreativität. Sie waren bei den Einheimischen so bekannt, dass manche es kaum erwarten konnten, wann genau das neue Schaufenster erscheint. Wie oft wurden wir gefragt ob wir schon wissen welche neue Idee wir für die Schaufenster haben.


Vieles davon haben mein Partner und ich mit unseren eigenen Händen erschaffen.

Unsere Verkaufstresen, unsere Arbeitstische, Regale und so vieles mehr.

Jede Wand, jede Ecke, jedes Detail erzählte ein Stück unserer Geschichte.


Einer meiner Verkaufstresen übrigens steht jetzt in meinem Garten, als Hochbeet für meine Kräuter. Ich habe so eine schöne Erinnerung und habe Riesen Freude, werden die Kräuter nicht von meinen Gänsen gefressen. lach

Wenn ihr mögt zeige ich euch gerne meine Kräuter in meinem neuen Hochbeet!?



Und dann wart vor allem ihr da. Unsere treuen Kundinnen und Kunden. Ob im Laden oder in den Sozialen Medien. Mit vielen von euch verband uns längst mehr als Blumen. Über die Jahre entstanden Gespräche, Freundschaften und Vertrauen. Ihr habt uns an euren schönsten Tagen teilhaben lassen, aber auch an euren schwersten Momenten.

Dafür werde ich für immer dankbar sein.


Die Entscheidung, das Ladenlokal zu schließen, hatte verschiedene Gründe. Ein Hauptgrund davon war, dass wir uns mit den Umständen rund um das Gebäude und den Hausbesitzer immer weniger identifizieren konnten. Irgendwann spürte ich tief in mir, dass es Zeit war, loszulassen. Nicht, weil ich aufgegeben habe, sondern weil ich mich selbst nicht verlieren wollte. Wir beide, ich und mein Partner.


Nach der Schließung hatte ich großen Respekt, es könnte eine große Leere um mich herum entstehen. Doch stattdessen geschah etwas, womit ich nicht gerechnet hatte:

Ich begann wieder zu atmen.

Zum ersten Mal seit langer Zeit durfte ich langsamer werden. Nicht, weil ich musste, sondern weil ich es mir erlaubt habe. Was für ein Gefühl das ist, kann man kaum in Worte beschreiben, ich kann es Momentan nicht beschreiben. Oder besser gesagt, ich möchte euch hier nicht stundenlang lesen lasen. (schmunzel)


Natürlich war nicht alles leicht. Es gab Tage voller Zweifel. Tage, an denen ich traurig war. Tage, an denen ich Abschied nehmen musste, nicht nur vom Laden, sondern von einem ganzen Lebensabschnitt. Aber ich habe auch gelernt, dass Heilung nicht bedeutet, immer stark zu sein.

Früher dachte ich, Stärke bedeutet, immer wieder gleich aufzustehen. Heute weiß ich, dass Stärke manchmal auch bedeutet, liegen zu bleiben. Sich auszuruhen.

Sich Zeit zu nehmen und auch sich Zeit geben.

Nicht gegen das Leben anzukämpfen, sondern mit ihm zu fließen.

Das ist für mich unglaublicher Luxus! Zeit zu haben, nicht nach der Uhr zu leben.

Jeden Morgen durfte ich ohne Uhr, ohne Zeitdruck aufstehen und den Tag so starten.

Für mich ist es ein unbeschreiblich schönes Gefühl, und für mich stellt das einen noch größeren Luxus dar.



Wenn es mir nicht gut ging, habe ich nicht versucht, dagegen anzurennen.

Ich bin langsamer geworden, habe mich zurückgezogen und auf mein Herz gehört.

Genau dort ist etwas Wunderschönes entstanden.

Ich durfte wieder entdecken, wer ich außerhalb von Öffnungszeiten und Bürokratie bin.

Ich verbrachte viel Zeit in meinem Garten (immer noch) und mit meinen Tieren. Habe meine Küche total restauriert und auch ein paar meiner alten Möbel. Habe mich um mich selbst gekümmert und ganz viel Zeit für mich alleine genommen.

Gleichzeitig durfte ich bereits wieder Hochzeiten begleiten und Blumenkonzepte gestalten. Meine Blumen haben mich nie ganz verlassen. Sie haben einfach eine andere Form gefunden, in meinem Leben zu sein. Da ich ohnehin täglich spazieren gehe und mich jeden Tag in der Natur oder im Wald aufhalte, war ich von den schönsten Blumen und der herrlichsten Natur umgeben, und so fehlte mir die Floristik im Laden nie wirklich.


Seit letztem Herbst mache ich außerdem eine Weiterbildung. Ein Thema, das mich schon als kleines Mädchen fasziniert hat: die Sterne, das Universum und all die Wunder, die wir mit bloßem Auge oft gar nicht sehen können. Und das möchte ich mit Wildflower zusammen kombinieren. Noch behalte ich dieses Herzensprojekt für mich. Aber eines weiß ich heute ganz sicher: Es gehört zu meinem Weg.


Loslassen tut weh, aber eben es bringt auch ganz viel neues mit sich.

Ab August beginnt nun ein neues Kapitel. Wildflower kehrt zurück. Nicht in ein Ladenlokal, sondern dorthin, wo alles einmal begonnen hat, in meiner Blumenwerkstatt.

Und ich könnte mir gerade nichts passenderes vorstellen.

Keine Öffnungszeiten mehr. Kein ständiges Hin- und Herspringen zwischen Ladenbetrieb und kreativer Arbeit. Dafür echte Begegnungen, Zeit, Ruhe und Raum. Raum, um jeder Braut, jedem Blumenstrauß und jedem Auftrag die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdienen. Nicht das ich das vorher nicht gemacht habe, es war nur anders.


Ich glaube, wir haben oft Angst vor Veränderungen, weil wir nur sehen, was wir verlieren. Dabei vergessen wir, dass jede Veränderung auch etwas mit sich bringt: mehr Freiheit, mehr Ehrlichkeit und mehr von dem, was wirklich zu uns gehört.

Natürlich habe ich manchmal noch Angst oder Zweifel. Natürlich gibt es Momente, in denen mich all die Ideen in meinem Kopf fast überfordern. Aber mittlerweile weiß ich, dass genau dort das Leben passiert. Nicht in der Perfektion. Nicht in der Sicherheit. Sondern mitten im Ungewissen. Und eins habe ich, vertrauen ins Leben und vertrauen in mich!


Ich blicke voller Dankbarkeit auf die vergangenen Jahre zurück. Sie haben mich geprägt, mich wachsen lassen und mir gezeigt, dass Erfolg nicht nur an Zahlen gemessen wird, sondern an den Menschen, die man berühren durfte.

Vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis dieser Reise: Loslassen bedeutet nicht, dass etwas gescheitert ist. Loslassen bedeutet manchmal einfach, dem Leben zu vertrauen. Darauf, dass nach jedem Ende etwas Neues wachsen darf, vielleicht sogar etwas, das viel besser zu dem Menschen passt, der man heute geworden ist.


Ich freue mich auf diesen neuen Weg. Auf meine Blumenwerkstatt. Auf all die Blumen, die ich für euch gestalten darf. Auf neue Ideen, neue Träume und neue Begegnungen. Und vor allem freue ich mich darauf, euch wieder ein Stück auf eurem Weg begleiten zu dürfen, natürlich nur wenn ihr das auch möchtet. ;-)

Von Herzen, Natascha


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